Aufbau von Klebebändern – kleine technische Wunderwerke

Schicht für Schicht zum perfekten Band.

Die Wahl des richtigen Klebebands hängt sehr stark von der geplanten Arbeit und den Bedingungen am Ort der Anwendung ab. Wer beispielsweise im Eigenheim für Malerarbeiten die Tapete abkleben möchte, ist mit einem Malerkrepp gut bedient, das sich leicht von der Rolle abreißen und gut wieder vom Untergrund lösen lässt. Ein starkes Gewebeband mit hoher Klebkraft wäre hier unangebracht und würde die Tapete beschädigen.

Der schichtartige Aufbau eines Klebebandes und die verschiedenen Materialien, die in den Schichten verarbeitet werden, spielen eine große Rolle für die mechanischen, elektrischen und chemischen Eigenschaften des Bandes. Aber was sind das für Schichten und Materialien und wie genau tragen diese zur Qualität und spezifischen Leistung eines Klebebands bei? Dieser Frage widmen wir uns im Folgenden.

Wie ist ein Klebeband aufgebaut?

Ein Klebeband ist nach dem Sandwich-Prinzip aufgebaut und besteht meist aus mehreren aufeinander abgestimmten Schichten.

Zum typischen Aufbau eines Klebebands gehören der Träger und die Klebmasse sowie – je nach Ausführung – ein Haftvermittler (Primer), eine Trennschicht (Release Coat) oder ein Trennmaterial (Liner) bei doppelseitigem Klebeband. Welche Materialien für die einzelnen Schichten verwendet werden, bestimmt maßgeblich die Eigenschaften und den späteren Einsatzbereich des Klebebands.

Der Aufbau eines einseitigen Klebebandes verglichen mit dem Aufbau eines doppelseitigen Klebebandes.

Einseitig oder doppelseitig: Wo liegt der Unterschied?

Bei einseitigen Klebebändern (vgl. die obenstehende Grafik) befindet sich die Klebmasse nur auf einer Seite des Trägers. Dies ist z. B. typisch für Maler- und Abdeckbänder, die Sie vom Tapezieren und Anstreichen kennen.

Doppelseitige Klebebänder sind dagegen auf beiden Seiten mit Klebmasse beschichtet und können dadurch zwei Materialien miteinander verbinden, ohne dass das Klebeband dazwischen sichtbar sein muss. Ein typischer Einsatzbereich ist beispielsweise das Verlegen von Teppichböden. Sie können mit dem doppelseitigen Band aber auch prima Spiegel in Bad, Schlafzimmer oder in der Diele befestigen.

Aufbau Klebeband: die Schichten im Detail erklärt

Schauen wir uns das Innenleben eines Klebebandes einmal genau an.

Trennschicht und Trennmaterial – fürs leichte Abrollen des Bandes

Bei einseitigen Klebebändern liegt auf der Oberseite des Trägers eine Trennschicht in Form einer Trennlackierung bzw. Rückseitenlackierung (Fachbegriff: Release Coat). Diese kann man sich als Antihaftbeschichtung vorstellen, die verhindert, dass die Klebmasse an der Rückseite der darunterliegenden Lage haften bleibt. Mit anderen Worten: Die Trennschicht sorgt dafür, dass sich das Band leicht und kontrolliert von der Rolle abwickeln lässt.

Für die notwendige Trennung sorgt bei doppelseitigen Klebebändern ein separates Trennmaterial, auch Liner genannt. Dieses besteht meist aus silikonisiertem Papier (Trennpapier) oder einer mit Silikon beschichteten Folie. Durch seine geringe Oberflächenenergie wirkt das Silikon stark abweisend und verhindert, dass die Klebmasse dauerhaft am Liner haftet.

Träger und Primer: Basis für den Klebstoff

Hinter der Trennschicht befindet sich der Träger. Dies ist die Schicht des Klebebandes, auf die der Klebstoff aufgetragen wird. Die Wahl des richtigen Materials ist dabei entscheidend, denn der Träger beeinflusst unter anderem, wie reißfest, dehnbar, flexibel oder widerstandsfähig das Klebeband ist. Damit entscheidet das Trägermaterial auch darüber, für welche Anwendungen sich das Band eignet.

Nicht immer kann die Klebmasse direkt auf den Klebeband-Träger aufgebracht werden. Dies ist z. B. der Fall, wenn die Trägerschicht aus unbehandelter PE-Folie besteht (die Abkürzung PE steht für den Kunststoff Polyethylen). Auf dieser Oberfläche finden viele Klebstoffe schlicht keinen Halt. Je nach Klebstoffsystem muss daher ein sogenannter Primer als Haftvermittler auf den Träger aufgebracht werden. Der Primer sorgt dafür, dass Klebmasse und Träger eine stabile, sichere Verbindung eingehen. Denn nur so kann das Klebeband im Einsatz funktionieren.

Übrigens: Nicht jedes Klebeband benötigt einen Träger. Eine Ausnahme bilden sogenannte Transferklebebänder, bei denen eine trägerlose Klebmasse auf einem Trennmaterial (Liner) aufgebracht ist.

Welche Eigenschaften haben die verschiedenen Trägermaterialien?

Trägermaterial Gruppe Trägermaterial Eigenschaften Anwendungsgebiete
Papier Flachkrepp
  • Dehnungsarm
  • Anschmiegsam
  • Je nach Imprägnierung gute Wasser-, Feuchtigkeits- und UV-Beständigkeit
  • Für eine Vielzahl von Abdeck- und Abklebearbeiten
Hochkrepp
  • Sehr dehnbar
  • Zum Abkleben von engen Kurven, Rundungen etc.
Spezialpapier Washi
  • Sehr dünn und anschmiegsam
  • Dehnungsarm
  • Gute Reißfestigkeit
  • Je nach Imprägnierung gute Wasser-, Feuchtigkeits- und UV-Beständigkeit
  • Zum Erzielen von extrem scharfen Farbkanten auf glatten und leicht rauen Untergründen
Gewebe Zellwolle, Baumwolle, Polyamid oder Glasfasern; beschichtet oder nicht beschichtet
  • In Abhängigkeit vom verwendeten Gewebematerial, -dicke und Mesh sehr gute Reißfestigkeit und Handabreißbarkeit
  • Bei bestehender PE-Beschichtung gute Beständigkeit gegen Wasser, Öl, mechanische Beschädigung und viele chemische Einflüsse
  • Bei verwendetem UV-Filter sehr gute UV-Beständigkeit
  • Als Gaffer’s Tape mit einer nicht reflektierenden PE-Beschichtung
  • Zum kurz- oder längerfristigen Abkleben bei einer Vielzahl von Arbeiten wie Putz- und Stuckarbeiten
  • Zum wasserdichten Versiegeln von Behältern
  • Zum Abkleben bei Sandstrahlarbeiten
  • Für eine Vielzahl von Reparatur- und Konstruktionsarbeiten in der Industrie und im Handwerk
  • Zum Abdichten von Folien während der Asbestentsorgung
  • Zum Bündeln, Fixieren etc.
Folien PVC
  • Im ursprünglichen Zustand hart
  • Beständig gegen Wasser, nicht zu starke Säuren, Laugen, Alkohol, Öle, Benzin und Salzwasser
  • Benzol, einige Lösungsmittel oder stärkere Säuren (wie z.B. konzentrierte Salzsäure) können PVC angreifen
  • Gute Temperaturstabilität
  • Durch die vielen Chlormoleküle ist PVC schwer entflammbar
  • Zum längerfristigen Abkleben bei einer Vielzahl von Arbeiten wie Putz- und Stuckarbeiten
  • Einsatz auf verwitterten PVC-Untergründen sollte nur nach vorheriger Probeverklebung erfolgen
  • PVC-Folie wird auch eingesetzt zur Herstellung von Packbändern, Warnbändern etc.
PE
  • Im ungefärbten Zustand milchig weiß und von Natur aus elastisch
  • Beständig gegen Wasser, Lösungsmittel, Säuren und Laugen
  • Beständig bei hohen und niedrigen Temperaturen
  • Zum längerfristigen Abkleben bei einer Vielzahl von Arbeiten wie Putz- und Stuckarbeiten
  • Gut geeignet für den Einsatz auf Kunststoffuntergründen wie PVC, da PE weichmacherfrei und lösungsmittelbeständig ist
  • Auch gut geeignet für den Einsatz bei niedrigeren Temperaturen
PP
  • Besitzt eine gute Zugfestigkeit und eine härtere Oberfläche als z.B. PE
  • Beständig gegen schwache Säuren und Laugen, Fette und viele organische Lösungsmittel
  • Kann von einigen Lösungsmitteln bei höheren Temperaturen angegriffen werden
  • Lange Sonneneinstrahlung und niedrige Temperaturen können PP spröde machen
  • PP kann mit Glasfasern angereichert werden, welche die mechanischen Eigenschaften wie Zugfestigkeit etc. stark verbessern. Dieses PP-Band ist als Filamentband bekannt
  • Aus PP-Folien werden überwiegend Packbänder hergestellt

Der Klebstoff – Haftkraft fürs Band

Wie gut ein Klebeband haftet, hängt wesentlich vom Zusammenspiel von Adhäsion und Kohäsion ab. Werfen wir einmal einen genaueren Blick auf die beiden Begriffe.

Was ist Adhäsion?

Adhäsion beschreibt die Anziehung zwischen Molekülen unterschiedlicher Art, also einfach ausgedrückt: Wie gut haftet der Klebstoff auf der gewünschten Oberfläche? Bei einer sehr hohen Adhäsion haftet der Klebstoff fest auf der Oberfläche und lässt sich kaum lösen. Eine sehr niedrige Adhäsion hingegen führt dazu, dass das Klebeband keinen Halt findet und sich sehr leicht ablöst.

Und was versteht man unter Kohäsion?

Dieser Begriff beschreibt die Anziehungskraft zwischen Molekülen gleicher Art. Es geht hier um die Frage, wie gut eine Klebmasse in sich zusammenhält. Bei einer hohen Kohäsion besitzt die Klebmasse eine hohe innere Festigkeit und bleibt auch unter Belastung gut in sich verbunden. Bei niedriger Kohäsion ist dieser innere Zusammenhalt schwächer und die Klebmasse kann sich leichter verformen oder teilen.

Beide Kräfte wirken zusammen

Das richtige Zusammenspiel von Adhäsion und Kohäsion hängt immer von der jeweiligen Anwendung und der Beschaffenheit des Untergrunds ab.
Für dauerhafte Befestigungen, z. B. beim Verlegen von Fußbodenleisten, kann eine hohe Adhäsion von Vorteil sein. Bei kurzfristigen Abdeckarbeiten – beispielsweise beim Streichen der Wände – ist eine zu starke Haftung unerwünscht, da das Klebeband beim Abziehen den Untergrund beschädigen könnte. Bei zu geringer Kohäsion kann sich die Klebmasse beim Abziehen teilen, sodass Rückstände auf dem Untergrund zurückbleiben.

Die Wechselwirkungen zwischen Klebstoffen, Untergründen und Umweltbedingungen (z. B. Temperaturen, UV-Strahlung) sind sehr komplex, da es eine große Zahl an Kombinationsmöglichkeiten gibt. Zum Erzielen von optimalen Resultaten ist deshalb bei allen Arbeiten eine vorherige Testverklebung sehr zu empfehlen.

Klebstoffarten und ihre Eigenschaften

Klebstoffart Zusammensetzung Eigenschaften Anwendungsbeispiele
Naturkautschuk Besteht aus zermahlenem Naturkautschuk, der in Lösungsmitteln gelöst wird
  • Hohe Anfangsklebkraft
  • Geringere Klebkrafterhöhung mit zunehmender Klebedauer
  • Hohe Scherfestigkeit/Kohäsion
  • Geringere Temperatur- und Alterungsbeständigkeit
  • Geringe UV-Beständigkeit
Für kurz- und mittelfristigen Einsatz
Synthesekautschuk Synthetisch hergestellt durch die Polymerisation von verschiedenen Monomeren Die Eigenschaften sind stark abhängig von den verwendeten Monomeren und Additiven. Im Allgemeinen:
  • Hohe Anfangsklebkraft
  • Geringere Klebkrafterhöhung mit zunehmender Klebedauer
  • Geringere Temperatur- und Alterungsbeständigkeit
Für kurzfristigen Einsatz
Acrylate Bestehen aus polymerisierten Acrylester-Monomeren, die mit Kunstharzen versetzt und in Wasser oder Lösungsmitteln gelöst werden
  • Höhere Klebkrafterhöhung mit zunehmender Klebedauer
  • Hohe Temperatur- und Alterungsbeständigkeit
  • Hohe Beständigkeit gegen UV-Strahlung und Oxidation
Für kurz- bis mittelfristige Anwendungen auch im Außenbereich
Hotmelt Besteht aus Kunstharzen, die bei Temperaturen von 130 °C bis 180 °C geschmolzen werden. Die daraus entstehende Masse besitzt auch nach dem Erkalten eine hohe Klebrigkeit und Klebkraft
  • Sehr gute Klebkraft unter Normaltemperaturen
  • Eingeschränkte Temperaturbeständigkeit
  • Geringe UV- und Alterungsbeständigkeit
  • Mangelnde Beständigkeit gegen Weichmacher, falls keine passenden Additive zugesetzt werden
Nur für kurzfristigen Einsatz. Eine rückstandsfreie Entfernung kann schon nach kurzer Zeit (innerhalb von wenigen Stunden) nicht mehr gewährleistet werden

Wie beeinflusst der Aufbau die Eigenschaften eines Klebebands?

Welche Eigenschaften ein Klebeband besitzt, hängt entscheidend vom Zusammenwirken seiner einzelnen Schichten ab. So beeinflusst das Trägermaterial beispielsweise, wie flexibel, dehnbar oder reißfest das Band ist. Die verwendete Klebmasse beeinflusst wiederum, wie stark und dauerhaft es auf einem Untergrund haftet und wie es auf äußere Einflüsse wie Temperatur, UV-Strahlung oder Feuchtigkeit reagiert.

Erst die passende Kombination der einzelnen Bestandteile macht aus einem Klebeband ein Produkt für einen bestimmten Einsatzzweck. Ein Malerband muss sich beispielsweise gut an die Tapete anschmiegen und nach der Arbeit möglichst rückstandsfrei entfernen lassen. Im Gegensatz dazu stehen bei einem Montageband eine dauerhaft starke Verbindung und eine hohe Einsatzdauer im Vordergrund. Der Klebebandaufbau ist daher immer auf die Anforderungen der jeweiligen Anwendung abgestimmt.

Technische Eigenschaften von Kip® Klebebändern

Ob ein Klebeband für eine bestimmte Anwendung geeignet ist, lässt sich anhand verschiedener technischer Eigenschaften beurteilen. Dazu zählen unter anderem die Klebkraft, die Temperaturbeständigkeit sowie die mögliche Einsatzdauer im Innen- und Außenbereich. Im Folgenden erklären wir, was hinter diesen Angaben steckt.

Einsatzdauer Innen: Gibt an, wie lange ein Klebeband im Innenbereich vor dem Anstrich verklebt bleiben kann, ohne dass bei der Entfernung Rückstände hinterlassen werden.

Einsatzdauer Außen: Gibt an, wie lange ein Klebeband im Außenbereich vor dem Anstrich verklebt bleiben kann, ohne dass bei der Entfernung Rückstände hinterlassen werden.

Klebkraft (Stahl) in Newton pro 10 Millimeter:  Dieser Wert gibt an, welche Kraft erforderlich ist, um ein 10 Millimeter breites Klebeband von einer polierten Stahlplatte abzuziehen. Die Messung erfolgt mit einer definierten Geschwindigkeit in einem Winkel von 180 Grad.

Temperaturbeständigkeit: Gibt an, welchen Temperaturen ein bereits verklebtes Klebeband kurzzeitig standhält, ohne Schaden zu nehmen oder Klebstoffrückstände zu hinterlassen. Die auf einem Band angegebene Temperaturbeständigkeit bezieht sich auf einen Zeitraum von bis zu 60 Minuten.

Die technischen Kennwerte machen damit messbar, wie sich der Aufbau eines Klebebands auf seine Eigenschaften und Einsatzmöglichkeiten auswirkt.

HÄUFIGE FRAGEN

Welche Arten von Klebebändern gibt es?

Klebebänder lassen sich nach ihrem Aufbau, dem verwendeten Trägermaterial und ihrem Einsatzzweck unterscheiden. Dazu zählen beispielsweise ein- und doppelseitige Klebebänder sowie Maler-, Gewebe-, Verpackungs- und Montagebänder. Welche Variante sich wofür eignet, hängt vor allem vom Untergrund, der gewünschten Haftung und den Bedingungen am Einsatzort ab.

Wie lange halten Klebebänder?

Wie lange ein Klebeband zuverlässig hält, hängt von seiner Konstruktion, den verwendeten Materialien und den Einsatzbedingungen ab. Einfluss haben beispielsweise Temperatur, UV-Strahlung, Feuchtigkeit und der Untergrund.

Was ist Montage-Klebeband?

Montage-Klebeband ist ein stark haftendes, meist doppelseitiges Klebeband zur Befestigung von Gegenständen an Wänden, Böden oder anderen Untergründen. Je nach Ausführung eignet es sich beispielsweise zum Anbringen von Schildern, Haken, Spiegeln, Briefkästen oder anderen Gegenständen. Welches Montage-Klebeband für welchen Zweck geeignet ist, richtet sich unter anderem nach Untergrund, Gewicht und Einsatzbedingungen.

Was tun, wenn das Klebeband nicht hält?

Hält ein Klebeband nicht richtig, sollten zunächst Untergrund und Einsatzbedingungen geprüft werden. Staub, Fett oder Feuchtigkeit können die Haftung beeinträchtigen und sollten daher entfernt werden. Das Klebeband selbst muss natürlich auch zum jeweiligen Untergrund und Einsatzzweck passen. Im Zweifel empfiehlt sich vor der eigentlichen Anwendung eine Testverklebung an einer unauffälligen Stelle.

Was bedeutet Tack bei Klebebändern?

Tack bezeichnet die Anfangshaftung einer Klebmasse. Der Wert beschreibt, wie schnell ein Klebeband bereits bei leichtem Kontakt auf einer Oberfläche haftet, bevor es fest angedrückt wird. Tack ist dabei nicht mit der eigentlichen Klebkraft gleichzusetzen.

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